INITIATIVEN

Samstag, 23. Dezember 2006

Kleinkredite

Kreditgeber wollen fair sein
Campo Limpo-Sprecher erläutert "Oikocredit"
Von Peter Bierl

Puchheim. Dass der Friedensnobelpreis an Muhammad Yunus und die von ihm in Bangladesh gegründete Grameen Bank vergeben wurde, hat die Gruppe Campo Limpo in Puchheim gefreut. "Wir verstehen das auch als Ermutigung für unsere Arbeit", erklärte deren Sprecher Walter Ulbrich. Beim Schweigekreis vor dem Mahnmal "Nord-Süd-Durchblick" am Bahnhof, den Campo Limpo kürzlich mit der Ortsgruppe von Amnesty International gestaltete, wurde die Vergabe als Würdigung der Armutsbekämpfung und wichtigen Beitrag für den Weltfrieden gewertet.
Einige Tage vorher hatte Ulbrich auf dem Symposium über "Nachhaltig konsumieren und wirtschaften" im Agenda 21-Büro des Landratsamts über sozial- und umweltverträgliche Geldanlagen referiert und die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit vorgestellt. Im Mai dieses Jahres wurde Ulbrich in den Vorstand es Förderkreises Bayern gewählt.
Die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit vergebe Mikrokredite zu fairen Konditionen an Arme in Atrika, Asien, Lateinamerika sowie Mittel- und Osteuropa, sagte Ulbrich der SZ. Oikocredit wurde fast zur gleichen Zeit wie die Grameen Bank 1975 von christlichen Kirchen gegründet und finanziert heute vornehmlich mit dem Kapital privater Anleger weltweit Projekte, die soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung fördern sollen.
So würden Kredite an Kooperativen kleiner Kaffeepflanzer gegeben, die eine Verarbeitungsanlage brauchen, Ernten vorfinanzieren müssen oder ihre Transport- und Lagermöglichkeiten verbessern wollen. Besonders wichtig sei Oikocredit die gründliche Vorbereitung der Zusammenarbeit mit den Projektpartnern sowie die örtliche Beratung und Fortbildung der Kreditnehmer.
Das Anteilskapital betrage insgesamt rund 260 Millionen Euro, von denen etwa 80 Prozent von über 37 Förderkreise mit mehr als 26000 privaten Einzelpersonen und Kirchengemeinden aufgebracht werden. Der Oikocredit Förderkreis Bayern e.V. mit Sitz in Nürnberg verwaltet Geldanlagen im Wert von mehr als dreizehn Millionen Euro seiner über 1600 Mitglieder. Voraussetzung für eine Geldanlage sei die Mitgliedschaft mit einem Jahresbeitrag von 15 Euro. Die Mindestanlage ist ein Anteil im Wert von 200 Euro. In der Regel wird eine Dividende von zwei Prozent ausgeschüttet.
Die Rücklagen würden laut Ulbrich vornehmlich in Anleihen angelegt und von der in Belgien ansässigen Ratingagentur Ethibel nach strengsten ethischen Kriterien überprüft. In 30 Jahren sei den Anlegern kein Cent verloren gegangen, betonte Ulbrich. Er verwies auf die Dankesrede von Yunus, der erklärt hatte: "Kredite sind wirksamer als Almosen."
Fürstenfeldbrucker SZ vom 23.12.2006

Samstag, 4. November 2006

Hilfe für Straßenkinder in Brasilien

Die Brucker Firma Brunetti Bau engagiert sich für den Verein LVL Kinderdorf eV München (Liebe Verwirklichung Leben). Die Mitarbeiter setzen Geld, Zeit und Arbeitskraft für das Projekt des Vereins ein, ein Dorf für 100 Straßenkinder in Xerem, nahe Rio de Janeiro, in Eigenregie aufzubauen. Der in München lebende Brasilianer und Vereinsgründer Victorio Ayres da Silva kaufte ein 10 Hektar großes Grundstück inmitten eines Naturreservats und baute darauf ein Gebäude. 2007 soll ein Teil des Dorfes durch eine Gruppe von Fachleuten aus Bruck errichtet werden. Sie setzen sich zusammen aus Mitarbeitern der Firma Brunetti und des Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft des Landkreises. Die Baupläne stiftete das Architekturbüro Stollenwerk aus FFB. Im Frühjahr 2008 sollen die ersten Kinder einziehen.
Der Münchner Verein finanziert sich ausschließlich aus Sach- und Geldspenden, die direkt ins Projekt fließen. Unterstützung ist gefragt.

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Arbeitslos über 50 - Initiative in Olching

Die 55-jährige Büroangestellte Gabriele Aurin gründet eine Initiative für von Arbeitslosigkeit betroffene Bürger über 50 Jahre, um sich nicht mit der Arbeitslosigkeit abfinden zu müssen. Diese Gefahr ist groß, das wissen mittlerweile nicht nur die Betroffenen, denn das Thema geht inzwischen durch die Medien.
Die Bundesagentur für Arbeit(slose) meldete im Vorjahr knapp 25 % über 50 Jahre aller Arbeitslosen. An die Öffentlichkeit gelangte Verwaltungsvorschriften der ARGEs besagen zudem, dass diese "Klientel" nicht nur nicht bevorzugt zu behandeln sei, sondern als nicht mehr vermittelbar langsam aber sicher auszusondern seien: Eine verlorene Generation - ebenso wie Teile der Jugend, denn in diesem Jahr bleiben vermutlich 50.000 ohne Ausbildungsplatz.
Frau Aurin betont, keine Konkurrenz zur von Arbeitslosigkeit bedrohten Jugendlichen aufbauen zu wollen. Aber dass über 50-Jährige zum alten Eisen gehören, ist nicht akzeptabel!
Kontakt: 50plus-hilfe@gmx.de

Mittwoch, 13. September 2006

Gebrauchtwarenzentrum Puchheim-Ort

Der "Verein Aufrechter Gang" eröffnete in Puchheim-Ort ein "Gebrauchtwarenzentrum", in dem Ein-Euro-Jobber Second-Hand-Waren verkaufen. Geplant sind weitere Verkaufsläden in anderen Orten des Landkreises.
Der "Landkreis-Bote" vom 12.9.06 berichtet:

"Menschen helfen Menschen: In diesem sozialen Sinn hat der Brucker Verein ,,Aufrechter Gang e.V." in Puchheim ein Zentrum für Gebrauchtwaren eröffnet. Hier konnten Langzeitarbeitslose einen 1-Euro-Job bekommen: Sie unterstützen dabei die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Vereins.
Dazu erklärte Vorsitzender Hans Bittner: 'Das Ziel unseres Vorhabens ist die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsprozess, das Wiederver'werten von Gebrauchsgegenständen und das Verkaufsangebot an Bürgerinnen und Bürger zu günstigen Preisen für sozial Schwache mit Sozialpass gibt es noch einen Sonderrabatt obendrein.' Der 1997 gegründete Verein Aufrechter Gang wurde ursprünglich gegründet, 'um arbeitslosen Alkohol- und Medikamentenabhängigen nach einer Therapie beziehungsweise einer Zeit der Abstinenz eine zukunftsorientierte Beschäftigung zu ermöglichen'. Bittner betont, 'dass wir versuchen, auch Hartz-IV- beziehungsweise Arbeitslosengeld-II-Empfängern eine berufliche Chance einzuräumen'. Dies geschehe auf Basis des 1-Euro-Jobs (abzugsfrei 1 Euro pro Arbeitstunde zusätzlich zum AIG 11, Red.).
Hans Bittner (Rufnummer Mobil 0171/ 774 0238): 'Aus dem Gartenbau- und Umzugsbetrieb hat der Verein Aufrechter Gang in acht Jahren immerhin sechs Menschen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Einer von ihnen hat eine sichere Rente erarbeitet.'
Spenden erbittet der Verein unter der Kontonummer 3259811 bei der Volksund Raiffeisenbank Fürstenfetdbruck, BLZ 70163370.
Die Verkaufsgegenstände des Gebrauchtwarenhauses in PuchheimOrt, Hügelstraße 9, sind vornehmlich Möbel, Textilien und Haushaltgeräte. Diese stammen aus Wohnungsauflösungen durch Wohlfahrtsverbände im Landkreis Fürstenfeldbruck sowie aus Umzügen. Der Verein finanziert sich bislang aus sogenannten Zweckbetrieben mit einfachen Dienstleistungen gegen Entlohnung - zum Beispiel Entrümpelungen und Aufräumarbeiten, Kleinumzüge, Gartenpflege, Rasenmähen, Heckenschneiden oderWinterdienste. Einen finanziellen Engpass gibt es derzeit, weil Bittner die ganze Halle in Puchheim mieten will. Dann stünde eine Verkaufsfläche von insgesamt 500 Quadratmetern zur Verfügung, von denen bis jetzt erst 160 Quadratmeter angemietet sind."
Autor: Michael Andries
Das Gebrauchtwarenzentrum in Puchheim-Ort ist am Dienstag, Mittwoch und Freitag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Dienstag, 13. Juni 2006

PROTEST KREATIV

"Die Überflüssigen" wollen durch spektakuläre Auftritte auf ihre soziale Ausgrenzung hinweisen.
"Sie stören. Sie wollen all die stören, die es sich auf Kosten anderer gut gehen lassen: die Wohlhabenden, die so genannten Reformer, die Schreibtischtäter. Sie tragen weiße Masken und knallig rote Kapuzenpullover. "Die Überflüssigen" tauchen seit über einem Jahr in Luxusrestaurants, bei Preisverleihungen oder in deutschen Amtsstuben auf. Ihre provokativen Aktionen sind kurz, meist sind sie wieder weg, bevor die Polizei eintrifft."
Über diese kreative Protestform berichtet ein Artikel im FREITAG, vom 2.6.06. Hier kann er nachgelesen werden:
http://www.freitag.de/2006/22/06220501.php

Sonntag, 28. Mai 2006

O-TON-RADIO-LUMA

Eine bemerkenswerte und unterstützenswerte Initiative bürgerschaftlichen Engagements:
Die Internet-Präsenz "o-ton.radio-luma.net". Die Macher beschreiben ihr Projekt so: "Offenes Archiv mit originalen Tondokumenten vom UNABHÄNGIGEN MEDIENDIENST FÜR EINE NEUE SACHLICHKEIT IN DER GESELLSCHAFT - Kostenfreie Bildung & Information ist unser selbstgestellter Auftrag im freien bürgerschaftlichen Engagement."
Geboten werden: Artikel und Podcasts von Pressekonferenzen, Diskussionen, Vorträgen, Interviews, Tagungen/Kongressen, Preisverleihungen u.a.m.
Zu Literatur-Themen existiert eine eigene Seite.
Die Initiative sucht Mitstreiter, Förderer und Sponsoren, um unabhängig zu bleiben und im Herbst 2006 offiziell zu starten. Geplant ist die Gründung einer Stiftung, die das Projekt stützt.
http://www.o-ton.radio-luma.net/php/ueber_radio-luma.php
http://www.literaturen.radio-luma.net

Dienstag, 9. Mai 2006

Gelebter Protest

Seit anderthalb Jahren organisiert Birgit Kühr den Protest gegen Hartz IV in Angermünde:
"Für sie ist es ein Unding, dass Menschen für ein Taschengeld arbeiten und sich den Lebensunterhalt vom Staat erbetteln müssen, dass sie um Erlaubnis zu fragen haben, wenn sie wegfahren oder umziehen wollen, dass sie kein Recht auf Privatsphäre besitzen, kontrolliert, verwaltet, als Betrüger und Schmarotzer verdächtigt werden. 'Die Würde wird einem genommen, das stört mich am meisten', sagt sie, 'man wird ausgegrenzt, und es gibt keine Perspektive.'"
Quelle: FREITAG, 28.4.06
Ein lesenswertes Beispiel für Bürgerinitiative, Zivilcourage und Widerstand in Zeiten des Sozialabbaus. Der ganze Artikel ist nachlesbar auf: http://www.freitag.de/2006/17/06170502.php

Presse-Journal für die Brucker Region

Sozialforum Amper - Initiative für gerechte Sozialordnung, Demokratie, Frieden und Ökologie

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