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NAZIS IN BRUCK

Donnerstag, 1. Februar 2007

Olching verweigert Resolution gegen Nazis

Auseinandersetzungen über Umgang mit Rechtsextremismus und Totengedenken - Brucker SZ vom 1.2.2007:

Grünen-Antrag nach Gröbenzeller Vorbild in Olching
Resolution gegen Rechte scheitert an CSU
Gemeinderat vertagt Entscheidung, weil Christsoziale mit Boykott der Abstimmung drohen

Von Petra Neumaier und Wolfgang Krause
Olching. Angesichts des Widerstands der CSU hat der Olchinger Gemeinderat den Beschluss über eine Resolution gegen rechtsradikale Veranstaltungen im Landkreis vertagt. CSU-Fraktionschef KarI Schwojer hatte zuvor seine Parteifreunde dazu aufgerufen, bei der Abstimmung über den Antrag von Grünen-Gemeinderat Eric Fischer den Saal zu verlassen.
AnIass von Fischers Vorstoß war das Neujahrstreffen von Deutscher Partei, NPD und "Pro München" in Fürstenfeldbruck am Sonntag, nur einen Tag nach dem Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialisten. Fischer wollte mit der Resolution nach Gröbenzeller Vorbild seiner Bestürzung über die Veranstaltung Ausdruck verleihen. Im Namen der Gemeinde Olching sollten die Bürger dazu aufgerufen werden, "sich gegen jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und gegen das Aufkommen rechtsextremer Bewegungen zu stellen" .
Während eine ähnliche Resolution in Gröbenzell einstimmig beschlossen worden war, hielt Herbert Roiser (CSU) schon die Diskussion darüber für "verlogen". "Das Bedauern über die Durchführung der Veranstaltung ist ja okay. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass Gruppierungen, die nicht vom Verfassungsgericht verboten sind, untersagt werden soll, Veranstaltungen durchzuführen", erklärte Roiser. Zudem wolle er sich gegen die Tendenz wehren, "gegen alles große Sprüche reißen zu müssen". "Pervers" nannte er den Umstand, "dass die Resolution an gar niemanden gerichtet" sei. Vor allem Tomas Bauer (CSU) wollte sich "zu einer Zustimmung nicht zwingen" lassen. "Wäre ich dagegen, würde ich ja gleich als Rechter gelten", regte er sich auf.
Nach dieser Aussage und der Drohung Schwojers, die Abstimmung zu boykottieren, beschlossen die Räte auf Antrag der CSU, das Thema lieber zu vertagen. Fischer zeigte sich am Mittwoch verwundert über das Verhalten der CSU: "Prinzipiell gab es ja keine Bedenken, die Reaktion der CSU ist dennoch kein tolles Zeichen", sagte er.
Ebenfalls keine Entscheidung gefällt hat der Olchinger Gemeinderat über die Gestaltung des Gedenksteins für die beiden bei einem Bombenangriff umgekommenen Zwangsarbeiter. Weil auf Wunsch Bauers erst der Kulturausschuss über den genauen Wortlaut des Textes beraten soll, wurde der Beschluss vertagt. Der Gemeinderat sei "aufgrund seiner Anzahl und der Zeit überfordert, die richtige Inschrift zu formulieren", erklärte Bauer die Vertagung des Punktes. Andreas Magg (SPD) befürchtete allerdings, dass der Stein dann zum Jahrestag des Angriffs, am 22. Februar, nicht enthüllt werden kann. Bekanntlich soll für die Polin Michalina Zisbowska und den Ukrainer Vasil Pasta ein eigener Gedenkstein aufgestellt werden, weil die Veteranen ihre Namen nicht neben denen der deutschen Opfer des selben Angriffs auf dem Kriegerdenkmal lesen wollen. Der Bauausschuss hatte vorgeschlagen, lediglich "Bombenangriff 1944", die Worte "Im Gedenken an" und ihre Namen daraufzuschreiben.

Kommentar
Von Gröbenzell lernen
Der Umgang mit Rechtsextremismus und brauner Vergangenheit könnte kaum unterschiedlicher sein als derzeit in den Nachbargemeinden Gröbenzell und Olching. Der Gröbenzeller Gemeinderat ist nicht gerade für die Harmoniesucht seiner Mitglieder bekannt. Aber als es darum ging, eine eindeutige Absage an Rechtsextreme und ihr Gedankengut zu formulieren, sprachen die Gemeinderäte von den. Grünen bis zur CSU ohne große Diskussion mit einer Stimme. Die Resolution trug dazu bei, dass so viele Landkreisbürger am Sonntag zur Gegendemonstration in die Fürstenfeldbrucker Hasenheide kamen und den Rechtsextremen das Feld nicht kampflos überließen. In Olching dagegen drückte sich die CSU im Nachhinein vor einer klaren Aussage und drohte mit dem Boykott der Entscheidung. Und die anderen Fraktionen ließen sie damit durchkommen, statt auf der Abstimmung zu bestehen. Ähnlich verhält es sich bei der Aufarbeitung der deutschen Geschichte. In Gröbenzell gibt es ein Mahnmal und eine jährliche Gedenkfeier zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus. Und noch der frühere Bürgermeister Bernd Rieder (CSU) legte sich mit dem örtlichen Veteranenverein an, weil er Böllerschüsse beim Volkstrauertag für nicht mehr zeitgemäß hielt. In Olching dagegen beugte sich der Gemeinderat dem Willen der Veteranen und verzichtete darauf, die Liste der Opfer eines Bombenangriffs auf dem Kriegerdenkmal um zwei Zwangsarbeiter zu ergänzen. Und seit Monaten schafft er es nicht, ein würdiges, eigenes Denkmal für die beiden zu schaffen. Erneut wurde die Entscheidung über die Inschrift vertagt. Dass der Gedenkstein bis zum Jahrestag fertig wird, wie SPD-Fraktionschef Andreas Magg fordert, ist aber nicht das Wichtigste. Wenn am Ende ein Text herauskommt, der die doppelte Opferrolle der beiden Zwangsarbeiter heraushebt, wäre es die Verzögerung wert. Das darf aber angesichts der bisherigen Diskussion bezweifelt werden.
Wolfgang Krause

Presseberichte Nazitreffen 28.1.2007

Presseberichterstattung in der „Fürstenfeldbrucker SZ“
Montag, 20. Januar 2007


Seite 1:
Protest gegen Veranstaltung von Deutscher Partei und NPD
Breites Bündnis bietet Rechtsextremen die Stirn
300 Teilnehmer bei Gegendemonstration - darunter Lokalpolitiker von den Grünen bis zur CSU

Fürstenfeldbruck. Die Be­völkerung hat Rechtsextremisten in Fürstenfeldbruck die rote Karte gezeigt. 300 Demonstran­ten protestierten am Sonntag ge­gen ein Treffen von Deutscher Partei, NPD und „Pro Mün­chen" im Hotel Hasenheide. Lo­kalpolitiker von Grünen, UBV, SPD und CSU forderten, diesen kein Fußbreit nachzugeben. Tags zuvor war in Bruck und Gröbenzell an Mahnmalen der Toten der Nazi-Herrschaft ge­dacht worden.
Die Veranstalter hatten laut Polizei 100 Demonstranten er­wartet. 300 waren es, darunter die meisten aus dem Landkreis. Und die setzten ihre Trillerpfei­fen ein und riefen "Nazis raus", sobald sich ein Besucher dem Hotel im Gewerbegebiet näherte. Es blieb friedlich, bis auf ei­nen Zwischenfall. Udo Pastörs, NPD-Fraktionschef in Mecklen­burg-Vorpommern und Haupt­redner der Rechten, ging auf die Demonstranten zu, lieferte sich ein Wortgefecht. Es kam zu ei­ner kurzen Rangelei.
Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass das von Kreisrat Wolfgang Bukow (Deutsche Partei) organisierte ,,9. Politische Neujahrstreffen" in Fürstenfeldbruck stattfinden würde. Viele äußerten sich auf der Kundgebung entsetzt darü­ber. Klaus Kortmann vom Sozi­alforum Amper aus Olching war am Samstag am Todesmarsch-­Denkmal in Bruck gewesen. Nun stand er mit einem Plakat mit der Aufschrift "Totge­schwiegene leben länger" vor dem Hotel. „Das war bisher un­bekannt", dass es hier solche Treffen gebe. Nun müsse man of­fensiv damit umgehen. "Es wird sehr darauf aufkommen, die Fürstenfeldbrucker Bevölke­rung zu mobilisieren." Außer Münchner Antifa-Gruppen hat­ten der Grünen-Kreisverband, der Juso-Unterbezirk und die Brucker SPD zur Teilnahme an der Demo aufgerufen. Der Grü­nen-Landtagsabgeordnete Mar­tin Runge aus Gröbenzell sagte, er sei zufrieden über das hier an­wesende breite Bündnis der De­mokraten. Juso-Chef Michael Schrodi warnte: „Es ist zu be­fürchten, dass die Rechtsextre­men im Wahlkampf massiv auf­treten werden." Die Demonstra­tion könne im Kampf dagegen „nur ein Anfang sein." Der neue Brucker CSU-Vorsitzende Mi­chael Piscitelli forderte, man müsse Flagge zeigen gegen Rechtsextreme. CSU-Vorstands­mitglied Dieter Roiger stand mitten im Pulk der Demonstran­ten und rief: „Nazis raus!" „Wenn man nichts tut, dann ver­stehen die das als Zustim­mung", sagte Roiger. UBV-­Kreisrat Max Keil hielt eine rote Karte mit dem Schriftzug der Gruppierung in die Höhe. Er nannte es „tragisch", dass eine solche Veranstaltung in Bruck stattfinde. Da müsse man ent­schieden entgegensteuern: „Der braune Sumpf" zeige, dass das bisher nicht geschehen sei.
Massive Klagen gab es über Hasenheide-Wirt Albert Pesch­ke, bei dem mindestens seit 1999 regelmäßig rechte Parteien zu Gast sind. Bukow dankte ihm auf dem Treffen dafür, allen An­griffen widerstanden zu haben. „Dieser Mann hat Charakter, und das finde ich gut." Pesch­ke wollte sich nicht äußern. CSU-Stadtrat Andreas Lohde forderte: „Er sollte die Konse­quenzen seines Verhaltens zu spüren bekommen."

Seite 1:
Kommentar
Einmütiger Protest ist ein Anfang

Die Menschen im Landkreis haben mit der Kundgebung in der Hasenheide ein deutliches Zeichen gesetzt. Ihre Botschaft war klar: Menschen mit Paro­len, wie sie die NPD oder die Deutsche Partei verbreiten, haben im Brucker Landkreis nichts verloren. Wer deren poli­tische Absichten verharmlost, ist sich der Gefahr dieser Brand­stifter nicht bewusst. Und nicht anders ist es mit denen, die eine Veranstaltung, wie die am Sonntag, als "naja, nicht gera­de toll" abtun. Insofern war es wichtig, dass so viele an dem Sonntag kamen und friedlich, aber entschieden ihren Unmut zum Ausdruck brachten. Beson­ders erfreulich ist dabei, dass Teile der CSU mit SPD, Grü­nen und Freien eine Einheit bildeten. Aber damit ist die Angelegenheit nicht erledigt. Es stellt sich die Frage, was in der Vergangenheit schief gelau­fen ist. Denn es zeigt sich auch die Bedeutung, die das „Politi­sche Neujahrstreffen" für die rechte Szene in der Region Mün­chen und in Bayern gewonnen hat. Das Bündnis „Pro Mün­chen", unter dessen Deckman­tel Menschen mit NPD-Gesin­nung ins Münchner Rathaus einziehen wollen, wäre womög­lich ohne dieses Treffen nicht zustande gekommen. Seinen Ausgang hat es in Fürstenfeld­bruck genommen. Das heißt: Dem Treiben von Wolfgang Bukow hätte viel früher Ein­halt geboten werden müssen. Und Gastwirt Albert Peschke vom Hotel Hasenheide hätte viel früher klar werden müssen, dass er bei dem Pakt mit den Rechtsextremisten am Ende draufzahlt. Die andere Frage ist die, wie es weitergehen soll. Die Rechtsradikalen wollen zu den Kommunalwahlen 2008 in München und vielleicht auch im Landkreis antreten. Es ist fünf vor zwölf. Die Aufklärung darüber, was Nationalismus in der Vergangenheit angerichtet hat, darf nie aufhören. Und Demokraten müssen so wie am Sonntag Brandstiftern weiter klar die rote Karte zeigen.
Bernhard Lohr

Seite 3:
Ausnahmezustand in der Hasenheide
Demonstranten und Rechtsextreme liefern sich einen Schlagabtausch, während der Gastwirt sich über ein vollen haus freut

Von Bernhard Lohr
Fürstenfeldbruck. Der Stammtisch-Gast sitzt da wie im­mer. Direkt am Kachelofen ist sein Platz, die angetrunkene halbe Bier steht vor ihm, daneben liegt eine offene Schachtel Marlboro. Nur seine Freunde von der Dart­runde sind nicht da. Die kommen schon noch, meint der 66-Jährige. Er ist alleine an seinem Tisch. An­sonsten herrscht Ausnahmezu­stand an diesem Sonntagmittag: 150 Rechtsradikale sitzen im Saal. Die Bedienungen eilen mit Tellern von Tisch zu Tisch. Wirt Albert Peschke ist durchgeschwitzt. „Das kurbelt das Geschäft ein biss­chen an", sagt der Stammgast. Der Wirt sagt nichts. Er hat keine Zeit: „Ich muss kochen, es geht nicht", ruft er und rennt in die Kü­che.
Kreisrat Wolfgang Bukow (Deutsche Partei) ist mit seinem „9. Politischen Neujahrstreffen" nach Fürstenfeldbruck zurückge­kehrt. 1999 hatte er diese Treffen im Hotel Hasenheide im Gewerbe­gebiet ins Leben gerufen. Es wa­ren regionale Zusammenkünfte. 2005 ging es kurz nach dem Wahl­sieg der NPD in Sachsen ins Hotel Post nach Pasing. Sachsens NPD­-Fraktionschef Holger Apfel kam, die Schäffler tanzten und BR und ZDF schickten Kamerateams. Der Wirbel war groß. Bukow nennt Pasing seitdem „historisch".
Diesmal ist auch in Fürstenfeld­bruck ein Fraktionschef aus dem Osten da. Und auch die Aufmerk­samkeit ist groß. „Soviel Tumult, wie vor der heutigen Veranstal­tung, hatten wir noch nie", sagt Bukow zu Beginn des Treffens vor den Zuhörern. „Das liegt natür­lich an den Rednern." 11.30 Uhr ist es mittlerweile. Seit 9.30 Uhr sind Gegendemonstranten vor dem Hotel. Sie rufen von der ge­genüberliegenden Seite "Nazis raus", "Buuuh", sobald sich eine Person Richtung Eingang bewegt.
„Nazi Sack" hat einer auf einen aufgeblasenen Plastiksack ge­schrieben. 300 Leute verschiedens­ten Alters strecken "Rote Karten" in die Höhe, Münchner Punks und Antifa-Aktivisten stehen stoisch hinter ihren Transparenten, mit denen sie „Geschichtsrevision" an­prangern. Monika Glemnitz-Mar­kus aus Gernlinden vom Sozialfo­rum Amper sagt, "die Nazis sind da, und keiner hat's gemerkt. So­was darf nicht mehr passieren".
Im Eingang zum Hotel weist ei­ne Tafel darauf hin "Wir nehmen auch noch DM". Drinnen haben die Männer und Frauen mittler­weile die „Nationalzeitung" und „Der Schlesier" beiseite gelegt.
Bukow spricht: Gäste aus Baden­Württemberg und Sachsen seien da, er würdigt den Germeringer Rep-Stadtrat Bernhard Pawlik als „Schlesischen Tiger" und dienstältesten Stadtrat der natio­nalen Szene in Bayern. Der 66- jäh­rige Stammgast, der namentlich nicht genannt werden will - "ich bin nicht wichtig" - sitzt immer noch alleine, gegenüber die Juke­Box, in der "Goldene Blasmusik-­Erfolge" zur Auswahl stehen, Marschmusik und Lieder mit Ti­teln wie „Preussens Gloria" und „Sehnsucht nach der Heimat".
Derweil wettert am Rednerpult Thomas S. Fischer gegen die CSU. Er ist selbst CSU-Mitglied. Er sagt es zumindest und verweist auf einen Kontobeleg, demnach erst am 19. Januar wieder der Mit­gliedsbeitrag abgebucht worden sei. Doch ein Parteisprecher sagt, das Schiedsgericht habe über den Parteiausschluss schon entschie­den. Fischer selbst ist längst im Wi­tikobund und im neuen rechten Bündnis mit dem unverfänglichen Namen „Pro München" aktiv. Die­ses Bündnis soll bei der Kommu­nalwahl 2008 in München antre­ten. Allerdings müssten davor 1000 Wahlberechtigte im Münch­ner Rathaus unterschreiben. Das „10. Politische Neujahrstreffen" 2008, sagt Bukow, werde auf jeden Fall in München stattfinden. Er de­mentiert, heuer dort keinen Saal bekommen zu haben. Hasenheide­-Wirt Albert Peschke erntet frei­lich dennoch dickes Lob. „Er hat eigentlich nur ein Problem", sagt Bukow, „das ist die Frage, ob wir auch Kaffee und Kuchen haben wollen." Und eine Bitte. Es mögen doch alle gleich Vorauskasse leis­ten. Denn letztes Mal, beim Neu­jahrstreffen, sei er auf einer "be­achtlichen Rechnung" sitzenge­blieben.

Dienstag, 30.01.2007:
Rechnung ohne den Gast gemacht
Fürstenfeldbruck. Klaus Kortmann ist über Jahre hinweg immer wieder Gast im Hotel Post in Pasing gewesen. Warum auch nicht. Er ging alleine schon deshalb dorthin, weil seine Firma dort die Betriebsver­sammlungen abhielt. Doch nachdem im Januar 2005 Rechtsextremisten von Deutscher Partei und NPD dort ein „Neujahrstreffen" organisiert hatten, war da­mit Schluss. Der Wirt sollte zu spüren bekommen, dass er sich aus Kortmanns Sicht die falschen Gäste ins Haus geholt hatte. Sein Chef. sah es genauso. Die Betriebsver­sammlung fand fortan woan­ders statt.
Nun kamen auf der De­monstration gegen das „Neujahrstreffen" der Rech­ten vor dem Hotel Hasenhei­de in Fürstenfeldbruck For­derungen auf, mit dem Wirt ähnlich zu verfahren. Al­bert Peschke hat seit 1999 re­gelmäßig Gäste vom rechten Rand des politischen Spek­trums bei sich. CSU-Stadt­rat Andreas Lohde sagte, das dürfe nicht ohne Folgen bleiben. Der stellvertreten­de Brucker CSU-Vorsitzen­de und Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenver­bands, Horst Jirgl, ist da nicht so rigoros. Er erklärte am Tag vor dem Neujahrs­treffen über den Wirt Pesch­ke, der auch Mitglied in sei­nem Verband ist: „Ich will niemandem Vorschriften machen. Das kann ich auch gar nicht." Jirgl sagte, man müsse unterscheiden zwi­schen Rechtsextremen und „gewaltbereiten Neonazis. Mit ersteren sei es besser, den Dialog zu suchen, sie zu überzeugen und sie nicht auszugrenzen. Er selbst wür­de seine Wienerwald-Gast­stätte aber nicht den Rechts­radikalen öffnen.
belo

Fürstenfeldbrucker Tagblatt / Merkur
Montag, 29. Januar 2007:


"Wir sind alles andere als Biedermänner"
Rechtsextremen-Treffen mit Gegendemonstration - Rempelei mit Fraktionschef

Von Olaf Paschen
Fürstenfeldbruck - "Nazis raus" wurde von der anderen Straßenseite gerufen, jeder neue Besucher vor dem Gasthof Hasenheide mit einem Pfeifkonzert begrüßt, aber nur einmal rückten gestern Gäste vom "politischen Neujahrstreffen" der "nationalen Opposition" und die Gegen­demonstranten etwas anei­nander. Ausgerechnet der ranghöchste Redner der Rechtsextremen, der Meck­lenburger NPD-Landtags­-Fraktionschef Uwe Pastörs, suchte die verbale Auseinan­dersetzung. Die Polizei ver­hinderte, dass es zu mehr als als einer Rempelei kam. Der NPD-Mann sei es in seiner Heimat wohl gewohnt, "dass ihm die Bürger applau­dieren", nicht dass sie ihn auspfeifen, vermutete einer der Demo-Teilnehmer. Den Protest organisiert hatte das "Antifaschistische Plenum München", das mit knapp hundert Leuten aus der Stadt angereist war. Zur Teilnahme aufgerufen hatten auch meh­rere Organisationen aus dem Landkreis, die etwa ebenso viele Menschen auf die Beine brachten. "Die jungen Münchner lassen sich eben gern provozieren", meinte Grünen-Chef Markus Rainer zum Pastörs-Auftritt.
Die Grünen waren unter den Demonstranten mit Landtagsabgeordnetem und Kreisräten vertreten, auch die SPD stellte ein stärkeres Kontingent. Sogar die CSU tauchte in Gestalt ihres neuen Ortschefs Michael Piscitelli auf. Vermerkt wurde aber vor allem, wer alles nicht gekom­men war: Keiner der drei Bür­germeister wende sich mit seiner Anwesenheit gegen das Rechtsextremen-Treffen in der eigenen Stadt, monierte SPD-Ortschef Axel Lämmle.
Anders als die frierenden Demonstranten, denen die SPD Kaffee vom benachbar­ten Schnellrestaurant ausgab, durfte die Presse einen Blick auf die geschlossene Veranstaltung im Inneren werfen. "Sie werden so ob­jektiv schreiben, wie es ihnen ­erlaubt wird", meinte Veran­stalter Wolfgang Bukow un­ter großem Gelächter. Der Gröbenzeller Ex-Republika­ner (nun Deutsche Partei), im Kreistag nur als stets stum­mes Mitglied bekannt, zeigte sich in der Begrüßung als be­redter Moderator. "Wir sind alles andere als Biedermän­ner", korrigierte er eine Zei­tungsüberschrift der vergan­genen Tage. Sein Gruß galt nicht nur den Gegendemons­tranten unter Führung eines "alten Berufskommunisten", sondern auch den "diversen Mitarbeitern der Verfas­sungsschutzbehörden" im Saal: "Wenn Sie was Geschei­tes gelernt hätten, müssten Sie hier nicht rumsitzen."
Bukow sieht seine Deut­sche Partei als "bürgerliches Element" in einer großen na­tionalen Bewegung. Dass die allmählich zusammenfinde, führt er auch auf seine Neu­jahrstreffen zurück, die be­reits das siebte Mal in Bruck stattfanden, bisher aber kaum öffentliches Interesse gefunden hatten: Berüh­rungsängste vor der NPD sei­en das große Manko der alten Republikaner gewesen. Au­ßerdem in Bruck dabei: Der ehemalige REP-Landrats­kandidat Rüdiger Schrembs und der "schlesische Tiger" und Germeringer Stadtrat Bernhard Pawlik. Nur "im Geiste mittagen" konnte der Brucker Stadtrat Werner Lantsch, der "Urvater der Pa­trioten im Landkreis".

Montag, 29. Januar 2007

Kundgegebung gegen Nazitreffen in Fürstenfeldbruck

Sehr kurzfristig erfuhren wir vom Sozialforum Amper von den geplanten rechtsextremen Aktivitäten in Bruck durch das Antifaschistische Plenum und AIDA-Archiv in München. Wir mobilisierten sofort durch Email-Versand an alle uns bekannten Adressaten im Landkreis, trafen uns zur Ausarbeitung eines Aufruf, an der Gegenkundgebung teilzunehmen.
Über die Hintergründe des Nazi-Treffens ist mehr auf unserer Homepage zu erfahren: http://www.SozialforumAmper.de.vu
Die ausführliche Presseberichterstattung ist nachzulesen auf der Seite NAZIS IN BRUCK (siehe Menü).

Die "Fürstenfeldbrucker SZ" berichtete heute ausführlich über die Ereignisse. Hier einige Ausschnitte:
Klaus Kortmann vom Sozialforum Amper aus Olching war am Samstag am Todesmarsch-Denkmal in Bruck gewesen. Nun stand er mit einem Plakat mit der Aufschrift "Totge­schwiegene leben länger" vor dem Hotel. „Das war bisher un­bekannt", dass es hier solche Treffen gebe. Nun müsse man of­fensiv damit umgehen. "Es wird sehr darauf aufkommen, die Fürstenfeldbrucker Bevölke­rung zu mobilisieren."
CSU-Vorstands­mitglied Dieter Roiger: „Wenn man nichts tut, dann ver­stehen die das als Zustim­mung", sagte Roiger. UBV-­Kreisrat Max Keil ... nannte es „tragisch", dass eine solche Veranstaltung in Bruck stattfinde. Da müsse man ent­schieden entgegensteuern: „Der braune Sumpf" zeige, dass das bisher nicht geschehen sei.
Bernhard Lohr von der SZ in seinem Kommentar: "Wer deren poli­tische Absichten verharmlost, ist sich der Gefahr dieser Brand­stifter nicht bewusst. Und nicht anders ist es mit denen, die eine Veranstaltung, wie die am Sonntag, als "naja, nicht gera­de toll" abtun. ... Die Aufklärung darüber, was Nationalismus in der Vergangenheit angerichtet hat, darf nie aufhören. Und Demokraten müssen so wie am Sonntag Brandstiftern weiter klar die rote Karte zeigen."
Brucker SZ vom 29.1.2007

Presse-Journal für die Brucker Region

Sozialforum Amper - Initiative für gerechte Sozialordnung, Demokratie, Frieden und Ökologie

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