Auseinandersetzungen über Umgang mit Rechtsextremismus und Totengedenken - Brucker SZ vom 1.2.2007:
Grünen-Antrag nach Gröbenzeller Vorbild in Olching
Resolution gegen Rechte scheitert an CSU
Gemeinderat vertagt Entscheidung, weil Christsoziale mit Boykott der Abstimmung drohen
Von Petra Neumaier und Wolfgang Krause
Olching. Angesichts des Widerstands der CSU hat der Olchinger Gemeinderat den Beschluss über eine Resolution gegen rechtsradikale Veranstaltungen im Landkreis vertagt. CSU-Fraktionschef KarI Schwojer hatte zuvor seine Parteifreunde dazu aufgerufen, bei der Abstimmung über den Antrag von Grünen-Gemeinderat Eric Fischer den Saal zu verlassen.
AnIass von Fischers Vorstoß war das Neujahrstreffen von Deutscher Partei, NPD und "Pro München" in Fürstenfeldbruck am Sonntag, nur einen Tag nach dem Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialisten. Fischer wollte mit der Resolution nach Gröbenzeller Vorbild seiner Bestürzung über die Veranstaltung Ausdruck verleihen. Im Namen der Gemeinde Olching sollten die Bürger dazu aufgerufen werden, "sich gegen jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und gegen das Aufkommen rechtsextremer Bewegungen zu stellen" .
Während eine ähnliche Resolution in Gröbenzell einstimmig beschlossen worden war, hielt Herbert Roiser (CSU) schon die Diskussion darüber für "verlogen". "Das Bedauern über die Durchführung der Veranstaltung ist ja okay. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass Gruppierungen, die nicht vom Verfassungsgericht verboten sind, untersagt werden soll, Veranstaltungen durchzuführen", erklärte Roiser. Zudem wolle er sich gegen die Tendenz wehren, "gegen alles große Sprüche reißen zu müssen". "Pervers" nannte er den Umstand, "dass die Resolution an gar niemanden gerichtet" sei. Vor allem Tomas Bauer (CSU) wollte sich "zu einer Zustimmung nicht zwingen" lassen. "Wäre ich dagegen, würde ich ja gleich als Rechter gelten", regte er sich auf.
Nach dieser Aussage und der Drohung Schwojers, die Abstimmung zu boykottieren, beschlossen die Räte auf Antrag der CSU, das Thema lieber zu vertagen. Fischer zeigte sich am Mittwoch verwundert über das Verhalten der CSU: "Prinzipiell gab es ja keine Bedenken, die Reaktion der CSU ist dennoch kein tolles Zeichen", sagte er.
Ebenfalls keine Entscheidung gefällt hat der Olchinger Gemeinderat über die Gestaltung des Gedenksteins für die beiden bei einem Bombenangriff umgekommenen Zwangsarbeiter. Weil auf Wunsch Bauers erst der Kulturausschuss über den genauen Wortlaut des Textes beraten soll, wurde der Beschluss vertagt. Der Gemeinderat sei "aufgrund seiner Anzahl und der Zeit überfordert, die richtige Inschrift zu formulieren", erklärte Bauer die Vertagung des Punktes. Andreas Magg (SPD) befürchtete allerdings, dass der Stein dann zum Jahrestag des Angriffs, am 22. Februar, nicht enthüllt werden kann. Bekanntlich soll für die Polin Michalina Zisbowska und den Ukrainer Vasil Pasta ein eigener Gedenkstein aufgestellt werden, weil die Veteranen ihre Namen nicht neben denen der deutschen Opfer des selben Angriffs auf dem Kriegerdenkmal lesen wollen. Der Bauausschuss hatte vorgeschlagen, lediglich "Bombenangriff 1944", die Worte "Im Gedenken an" und ihre Namen daraufzuschreiben.
Kommentar
Von Gröbenzell lernen
Der Umgang mit Rechtsextremismus und brauner Vergangenheit könnte kaum unterschiedlicher sein als derzeit in den Nachbargemeinden Gröbenzell und Olching. Der Gröbenzeller Gemeinderat ist nicht gerade für die Harmoniesucht seiner Mitglieder bekannt. Aber als es darum ging, eine eindeutige Absage an Rechtsextreme und ihr Gedankengut zu formulieren, sprachen die Gemeinderäte von den. Grünen bis zur CSU ohne große Diskussion mit einer Stimme. Die Resolution trug dazu bei, dass so viele Landkreisbürger am Sonntag zur Gegendemonstration in die Fürstenfeldbrucker Hasenheide kamen und den Rechtsextremen das Feld nicht kampflos überließen. In Olching dagegen drückte sich die CSU im Nachhinein vor einer klaren Aussage und drohte mit dem Boykott der Entscheidung. Und die anderen Fraktionen ließen sie damit durchkommen, statt auf der Abstimmung zu bestehen. Ähnlich verhält es sich bei der Aufarbeitung der deutschen Geschichte. In Gröbenzell gibt es ein Mahnmal und eine jährliche Gedenkfeier zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus. Und noch der frühere Bürgermeister Bernd Rieder (CSU) legte sich mit dem örtlichen Veteranenverein an, weil er Böllerschüsse beim Volkstrauertag für nicht mehr zeitgemäß hielt. In Olching dagegen beugte sich der Gemeinderat dem Willen der Veteranen und verzichtete darauf, die Liste der Opfer eines Bombenangriffs auf dem Kriegerdenkmal um zwei Zwangsarbeiter zu ergänzen. Und seit Monaten schafft er es nicht, ein würdiges, eigenes Denkmal für die beiden zu schaffen. Erneut wurde die Entscheidung über die Inschrift vertagt. Dass der Gedenkstein bis zum Jahrestag fertig wird, wie SPD-Fraktionschef Andreas Magg fordert, ist aber nicht das Wichtigste. Wenn am Ende ein Text herauskommt, der die doppelte Opferrolle der beiden Zwangsarbeiter heraushebt, wäre es die Verzögerung wert. Das darf aber angesichts der bisherigen Diskussion bezweifelt werden.
Wolfgang Krause
Journal - 1. Feb, 12:21
Presseberichterstattung in der „Fürstenfeldbrucker SZ“
Montag, 20. Januar 2007
Seite 1:
Protest gegen Veranstaltung von Deutscher Partei und NPD
Breites Bündnis bietet Rechtsextremen die Stirn
300 Teilnehmer bei Gegendemonstration - darunter Lokalpolitiker von den Grünen bis zur CSU
Fürstenfeldbruck. Die Bevölkerung hat Rechtsextremisten in Fürstenfeldbruck die rote Karte gezeigt. 300 Demonstranten protestierten am Sonntag gegen ein Treffen von Deutscher Partei, NPD und „Pro München" im Hotel Hasenheide. Lokalpolitiker von Grünen, UBV, SPD und CSU forderten, diesen kein Fußbreit nachzugeben. Tags zuvor war in Bruck und Gröbenzell an Mahnmalen der Toten der Nazi-Herrschaft gedacht worden.
Die Veranstalter hatten laut Polizei 100 Demonstranten erwartet. 300 waren es, darunter die meisten aus dem Landkreis. Und die setzten ihre Trillerpfeifen ein und riefen "Nazis raus", sobald sich ein Besucher dem Hotel im Gewerbegebiet näherte. Es blieb friedlich, bis auf einen Zwischenfall. Udo Pastörs, NPD-Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern und Hauptredner der Rechten, ging auf die Demonstranten zu, lieferte sich ein Wortgefecht. Es kam zu einer kurzen Rangelei.
Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass das von Kreisrat Wolfgang Bukow (Deutsche Partei) organisierte ,,9. Politische Neujahrstreffen" in Fürstenfeldbruck stattfinden würde. Viele äußerten sich auf der Kundgebung entsetzt darüber. Klaus Kortmann vom Sozialforum Amper aus Olching war am Samstag am Todesmarsch-Denkmal in Bruck gewesen. Nun stand er mit einem Plakat mit der Aufschrift "Totgeschwiegene leben länger" vor dem Hotel. „Das war bisher unbekannt", dass es hier solche Treffen gebe. Nun müsse man offensiv damit umgehen. "Es wird sehr darauf aufkommen, die Fürstenfeldbrucker Bevölkerung zu mobilisieren." Außer Münchner Antifa-Gruppen hatten der Grünen-Kreisverband, der Juso-Unterbezirk und die Brucker SPD zur Teilnahme an der Demo aufgerufen. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge aus Gröbenzell sagte, er sei zufrieden über das hier anwesende breite Bündnis der Demokraten. Juso-Chef Michael Schrodi warnte: „Es ist zu befürchten, dass die Rechtsextremen im Wahlkampf massiv auftreten werden." Die Demonstration könne im Kampf dagegen „nur ein Anfang sein." Der neue Brucker CSU-Vorsitzende Michael Piscitelli forderte, man müsse Flagge zeigen gegen Rechtsextreme. CSU-Vorstandsmitglied Dieter Roiger stand mitten im Pulk der Demonstranten und rief: „Nazis raus!" „Wenn man nichts tut, dann verstehen die das als Zustimmung", sagte Roiger. UBV-Kreisrat Max Keil hielt eine rote Karte mit dem Schriftzug der Gruppierung in die Höhe. Er nannte es „tragisch", dass eine solche Veranstaltung in Bruck stattfinde. Da müsse man entschieden entgegensteuern: „Der braune Sumpf" zeige, dass das bisher nicht geschehen sei.
Massive Klagen gab es über Hasenheide-Wirt Albert Peschke, bei dem mindestens seit 1999 regelmäßig rechte Parteien zu Gast sind. Bukow dankte ihm auf dem Treffen dafür, allen Angriffen widerstanden zu haben. „Dieser Mann hat Charakter, und das finde ich gut." Peschke wollte sich nicht äußern. CSU-Stadtrat Andreas Lohde forderte: „Er sollte die Konsequenzen seines Verhaltens zu spüren bekommen."
Seite 1:
Kommentar
Einmütiger Protest ist ein Anfang
Die Menschen im Landkreis haben mit der Kundgebung in der Hasenheide ein deutliches Zeichen gesetzt. Ihre Botschaft war klar: Menschen mit Parolen, wie sie die NPD oder die Deutsche Partei verbreiten, haben im Brucker Landkreis nichts verloren. Wer deren politische Absichten verharmlost, ist sich der Gefahr dieser Brandstifter nicht bewusst. Und nicht anders ist es mit denen, die eine Veranstaltung, wie die am Sonntag, als "naja, nicht gerade toll" abtun. Insofern war es wichtig, dass so viele an dem Sonntag kamen und friedlich, aber entschieden ihren Unmut zum Ausdruck brachten. Besonders erfreulich ist dabei, dass Teile der CSU mit SPD, Grünen und Freien eine Einheit bildeten. Aber damit ist die Angelegenheit nicht erledigt. Es stellt sich die Frage, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist. Denn es zeigt sich auch die Bedeutung, die das „Politische Neujahrstreffen" für die rechte Szene in der Region München und in Bayern gewonnen hat. Das Bündnis „Pro München", unter dessen Deckmantel Menschen mit NPD-Gesinnung ins Münchner Rathaus einziehen wollen, wäre womöglich ohne dieses Treffen nicht zustande gekommen. Seinen Ausgang hat es in Fürstenfeldbruck genommen. Das heißt: Dem Treiben von Wolfgang Bukow hätte viel früher Einhalt geboten werden müssen. Und Gastwirt Albert Peschke vom Hotel Hasenheide hätte viel früher klar werden müssen, dass er bei dem Pakt mit den Rechtsextremisten am Ende draufzahlt. Die andere Frage ist die, wie es weitergehen soll. Die Rechtsradikalen wollen zu den Kommunalwahlen 2008 in München und vielleicht auch im Landkreis antreten. Es ist fünf vor zwölf. Die Aufklärung darüber, was Nationalismus in der Vergangenheit angerichtet hat, darf nie aufhören. Und Demokraten müssen so wie am Sonntag Brandstiftern weiter klar die rote Karte zeigen.
Bernhard Lohr
Seite 3:
Ausnahmezustand in der Hasenheide
Demonstranten und Rechtsextreme liefern sich einen Schlagabtausch, während der Gastwirt sich über ein vollen haus freut
Von Bernhard Lohr
Fürstenfeldbruck. Der Stammtisch-Gast sitzt da wie immer. Direkt am Kachelofen ist sein Platz, die angetrunkene halbe Bier steht vor ihm, daneben liegt eine offene Schachtel Marlboro. Nur seine Freunde von der Dartrunde sind nicht da. Die kommen schon noch, meint der 66-Jährige. Er ist alleine an seinem Tisch. Ansonsten herrscht Ausnahmezustand an diesem Sonntagmittag: 150 Rechtsradikale sitzen im Saal. Die Bedienungen eilen mit Tellern von Tisch zu Tisch. Wirt Albert Peschke ist durchgeschwitzt. „Das kurbelt das Geschäft ein bisschen an", sagt der Stammgast. Der Wirt sagt nichts. Er hat keine Zeit: „Ich muss kochen, es geht nicht", ruft er und rennt in die Küche.
Kreisrat Wolfgang Bukow (Deutsche Partei) ist mit seinem „9. Politischen Neujahrstreffen" nach Fürstenfeldbruck zurückgekehrt. 1999 hatte er diese Treffen im Hotel Hasenheide im Gewerbegebiet ins Leben gerufen. Es waren regionale Zusammenkünfte. 2005 ging es kurz nach dem Wahlsieg der NPD in Sachsen ins Hotel Post nach Pasing. Sachsens NPD-Fraktionschef Holger Apfel kam, die Schäffler tanzten und BR und ZDF schickten Kamerateams. Der Wirbel war groß. Bukow nennt Pasing seitdem „historisch".
Diesmal ist auch in Fürstenfeldbruck ein Fraktionschef aus dem Osten da. Und auch die Aufmerksamkeit ist groß. „Soviel Tumult, wie vor der heutigen Veranstaltung, hatten wir noch nie", sagt Bukow zu Beginn des Treffens vor den Zuhörern. „Das liegt natürlich an den Rednern." 11.30 Uhr ist es mittlerweile. Seit 9.30 Uhr sind Gegendemonstranten vor dem Hotel. Sie rufen von der gegenüberliegenden Seite "Nazis raus", "Buuuh", sobald sich eine Person Richtung Eingang bewegt.
„Nazi Sack" hat einer auf einen aufgeblasenen Plastiksack geschrieben. 300 Leute verschiedensten Alters strecken "Rote Karten" in die Höhe, Münchner Punks und Antifa-Aktivisten stehen stoisch hinter ihren Transparenten, mit denen sie „Geschichtsrevision" anprangern. Monika Glemnitz-Markus aus Gernlinden vom Sozialforum Amper sagt, "die Nazis sind da, und keiner hat's gemerkt. Sowas darf nicht mehr passieren".
Im Eingang zum Hotel weist eine Tafel darauf hin "Wir nehmen auch noch DM". Drinnen haben die Männer und Frauen mittlerweile die „Nationalzeitung" und „Der Schlesier" beiseite gelegt.
Bukow spricht: Gäste aus BadenWürttemberg und Sachsen seien da, er würdigt den Germeringer Rep-Stadtrat Bernhard Pawlik als „Schlesischen Tiger" und dienstältesten Stadtrat der nationalen Szene in Bayern. Der 66- jährige Stammgast, der namentlich nicht genannt werden will - "ich bin nicht wichtig" - sitzt immer noch alleine, gegenüber die JukeBox, in der "Goldene Blasmusik-Erfolge" zur Auswahl stehen, Marschmusik und Lieder mit Titeln wie „Preussens Gloria" und „Sehnsucht nach der Heimat".
Derweil wettert am Rednerpult Thomas S. Fischer gegen die CSU. Er ist selbst CSU-Mitglied. Er sagt es zumindest und verweist auf einen Kontobeleg, demnach erst am 19. Januar wieder der Mitgliedsbeitrag abgebucht worden sei. Doch ein Parteisprecher sagt, das Schiedsgericht habe über den Parteiausschluss schon entschieden. Fischer selbst ist längst im Witikobund und im neuen rechten Bündnis mit dem unverfänglichen Namen „Pro München" aktiv. Dieses Bündnis soll bei der Kommunalwahl 2008 in München antreten. Allerdings müssten davor 1000 Wahlberechtigte im Münchner Rathaus unterschreiben. Das „10. Politische Neujahrstreffen" 2008, sagt Bukow, werde auf jeden Fall in München stattfinden. Er dementiert, heuer dort keinen Saal bekommen zu haben. Hasenheide-Wirt Albert Peschke erntet freilich dennoch dickes Lob. „Er hat eigentlich nur ein Problem", sagt Bukow, „das ist die Frage, ob wir auch Kaffee und Kuchen haben wollen." Und eine Bitte. Es mögen doch alle gleich Vorauskasse leisten. Denn letztes Mal, beim Neujahrstreffen, sei er auf einer "beachtlichen Rechnung" sitzengeblieben.
Dienstag, 30.01.2007:
Rechnung ohne den Gast gemacht
Fürstenfeldbruck. Klaus Kortmann ist über Jahre hinweg immer wieder Gast im Hotel Post in Pasing gewesen. Warum auch nicht. Er ging alleine schon deshalb dorthin, weil seine Firma dort die Betriebsversammlungen abhielt. Doch nachdem im Januar 2005 Rechtsextremisten von Deutscher Partei und NPD dort ein „Neujahrstreffen" organisiert hatten, war damit Schluss. Der Wirt sollte zu spüren bekommen, dass er sich aus Kortmanns Sicht die falschen Gäste ins Haus geholt hatte. Sein Chef. sah es genauso. Die Betriebsversammlung fand fortan woanders statt.
Nun kamen auf der Demonstration gegen das „Neujahrstreffen" der Rechten vor dem Hotel Hasenheide in Fürstenfeldbruck Forderungen auf, mit dem Wirt ähnlich zu verfahren. Albert Peschke hat seit 1999 regelmäßig Gäste vom rechten Rand des politischen Spektrums bei sich. CSU-Stadtrat Andreas Lohde sagte, das dürfe nicht ohne Folgen bleiben. Der stellvertretende Brucker CSU-Vorsitzende und Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, Horst Jirgl, ist da nicht so rigoros. Er erklärte am Tag vor dem Neujahrstreffen über den Wirt Peschke, der auch Mitglied in seinem Verband ist: „Ich will niemandem Vorschriften machen. Das kann ich auch gar nicht." Jirgl sagte, man müsse unterscheiden zwischen Rechtsextremen und „gewaltbereiten Neonazis. Mit ersteren sei es besser, den Dialog zu suchen, sie zu überzeugen und sie nicht auszugrenzen. Er selbst würde seine Wienerwald-Gaststätte aber nicht den Rechtsradikalen öffnen.
belo
Fürstenfeldbrucker Tagblatt / Merkur
Montag, 29. Januar 2007:
"Wir sind alles andere als Biedermänner"
Rechtsextremen-Treffen mit Gegendemonstration - Rempelei mit Fraktionschef
Von Olaf Paschen
Fürstenfeldbruck - "Nazis raus" wurde von der anderen Straßenseite gerufen, jeder neue Besucher vor dem Gasthof Hasenheide mit einem Pfeifkonzert begrüßt, aber nur einmal rückten gestern Gäste vom "politischen Neujahrstreffen" der "nationalen Opposition" und die Gegendemonstranten etwas aneinander. Ausgerechnet der ranghöchste Redner der Rechtsextremen, der Mecklenburger NPD-Landtags-Fraktionschef Uwe Pastörs, suchte die verbale Auseinandersetzung. Die Polizei verhinderte, dass es zu mehr als als einer Rempelei kam. Der NPD-Mann sei es in seiner Heimat wohl gewohnt, "dass ihm die Bürger applaudieren", nicht dass sie ihn auspfeifen, vermutete einer der Demo-Teilnehmer. Den Protest organisiert hatte das "Antifaschistische Plenum München", das mit knapp hundert Leuten aus der Stadt angereist war. Zur Teilnahme aufgerufen hatten auch mehrere Organisationen aus dem Landkreis, die etwa ebenso viele Menschen auf die Beine brachten. "Die jungen Münchner lassen sich eben gern provozieren", meinte Grünen-Chef Markus Rainer zum Pastörs-Auftritt.
Die Grünen waren unter den Demonstranten mit Landtagsabgeordnetem und Kreisräten vertreten, auch die SPD stellte ein stärkeres Kontingent. Sogar die CSU tauchte in Gestalt ihres neuen Ortschefs Michael Piscitelli auf. Vermerkt wurde aber vor allem, wer alles nicht gekommen war: Keiner der drei Bürgermeister wende sich mit seiner Anwesenheit gegen das Rechtsextremen-Treffen in der eigenen Stadt, monierte SPD-Ortschef Axel Lämmle.
Anders als die frierenden Demonstranten, denen die SPD Kaffee vom benachbarten Schnellrestaurant ausgab, durfte die Presse einen Blick auf die geschlossene Veranstaltung im Inneren werfen. "Sie werden so objektiv schreiben, wie es ihnen erlaubt wird", meinte Veranstalter Wolfgang Bukow unter großem Gelächter. Der Gröbenzeller Ex-Republikaner (nun Deutsche Partei), im Kreistag nur als stets stummes Mitglied bekannt, zeigte sich in der Begrüßung als beredter Moderator. "Wir sind alles andere als Biedermänner", korrigierte er eine Zeitungsüberschrift der vergangenen Tage. Sein Gruß galt nicht nur den Gegendemonstranten unter Führung eines "alten Berufskommunisten", sondern auch den "diversen Mitarbeitern der Verfassungsschutzbehörden" im Saal: "Wenn Sie was Gescheites gelernt hätten, müssten Sie hier nicht rumsitzen."
Bukow sieht seine Deutsche Partei als "bürgerliches Element" in einer großen nationalen Bewegung. Dass die allmählich zusammenfinde, führt er auch auf seine Neujahrstreffen zurück, die bereits das siebte Mal in Bruck stattfanden, bisher aber kaum öffentliches Interesse gefunden hatten: Berührungsängste vor der NPD seien das große Manko der alten Republikaner gewesen. Außerdem in Bruck dabei: Der ehemalige REP-Landratskandidat Rüdiger Schrembs und der "schlesische Tiger" und Germeringer Stadtrat Bernhard Pawlik. Nur "im Geiste mittagen" konnte der Brucker Stadtrat Werner Lantsch, der "Urvater der Patrioten im Landkreis".
Journal - 1. Feb, 11:39
Sehr kurzfristig erfuhren wir vom Sozialforum Amper von den geplanten rechtsextremen Aktivitäten in Bruck durch das Antifaschistische Plenum und AIDA-Archiv in München. Wir mobilisierten sofort durch Email-Versand an alle uns bekannten Adressaten im Landkreis, trafen uns zur Ausarbeitung eines Aufruf, an der Gegenkundgebung teilzunehmen.
Über die Hintergründe des Nazi-Treffens ist mehr auf unserer Homepage zu erfahren: http://www.SozialforumAmper.de.vu
Die ausführliche Presseberichterstattung ist nachzulesen auf der Seite NAZIS IN BRUCK (siehe Menü).
Die "Fürstenfeldbrucker SZ" berichtete heute ausführlich über die Ereignisse. Hier einige Ausschnitte:
Klaus Kortmann vom Sozialforum Amper aus Olching war am Samstag am Todesmarsch-Denkmal in Bruck gewesen. Nun stand er mit einem Plakat mit der Aufschrift "Totgeschwiegene leben länger" vor dem Hotel. „Das war bisher unbekannt", dass es hier solche Treffen gebe. Nun müsse man offensiv damit umgehen. "Es wird sehr darauf aufkommen, die Fürstenfeldbrucker Bevölkerung zu mobilisieren."
CSU-Vorstandsmitglied Dieter Roiger: „Wenn man nichts tut, dann verstehen die das als Zustimmung", sagte Roiger. UBV-Kreisrat Max Keil ... nannte es „tragisch", dass eine solche Veranstaltung in Bruck stattfinde. Da müsse man entschieden entgegensteuern: „Der braune Sumpf" zeige, dass das bisher nicht geschehen sei.
Bernhard Lohr von der SZ in seinem Kommentar: "Wer deren politische Absichten verharmlost, ist sich der Gefahr dieser Brandstifter nicht bewusst. Und nicht anders ist es mit denen, die eine Veranstaltung, wie die am Sonntag, als "naja, nicht gerade toll" abtun. ... Die Aufklärung darüber, was Nationalismus in der Vergangenheit angerichtet hat, darf nie aufhören. Und Demokraten müssen so wie am Sonntag Brandstiftern weiter klar die rote Karte zeigen."
Brucker SZ vom 29.1.2007
Journal - 29. Jan, 11:54